Das neue Grolland Buch – 2. Auflage

Der Blick in die Grollander Geschichte lässt zuerst den Siedlungsbau entdecken, vor rund 80 Jahren entstand die bis heute typische Bebauung, möglicherweise als eine NS-Mustersiedlung. Da liegt aber auch noch ein viel älterer Bauernhof an der Grollander Straße und noch weiter südlich gibt es Spuren eines weiteren, mächtige Eichenbäumen den Platz, den bis 1965 das ehemalige adlige Gut einnahm.

Grolland

Das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert wurde im Jahr 1965 abgerissen. Noch heute zeugen der alte Baumbestand und der Burggraben von der Existenz des adeligen Gutes. Foto: Focke-Museum

Als Ende der 1980er Jahre an die erste urkundliche Erwähnung des Grollandes“ im Jahr 1189 erinnert wurde, gab es über die Festschriften der Siedlervereine hinausgehend eine neue Geschichtsschreibung. Ottmar Hinz stellte den Bezug von der ersten Besiedlung „im nassen Dreieck“ bis zum „Dorf vom Reißbrett“ her, ordnete die Zusammenhänge von frühzeitlicher Bevölkerungsentwicklung, bremischer Städtebaupolitik vor den beiden Weltkriegen, die jeweils beteiligten gesellschaftlichen Kräfte und das Schicksal der Handelnden. Die viele Jahre in Grolland lebende Dorothee Brüger hatte großen Anteil daran, dass sich die Bewohner beider Siedlungsteile beim Nachvollziehen ihrer Historie zusammen taten, eine 800-Jahr-Feier begingen und sogar ein gemeinsames Fest an der neuen Ochtum feierten.  Grolland hatte gerade im Jubiläumsjahr  seine Lage auf der Landkarte verändert, war nicht mehr einfach links der Ochtum zu finden, sondern jetzt vom alten und einem ganz neuen Flussbett eingefasst, fast wie von einer Beetumrandung. In seiner Mitte aber nach wie vor geteilt von mittlerweile zwei Verkehrsachsen, der Hochstraße und einer Straßenbahntrasse auf Stelzen, setzt sich die Teilung in gewisser Weise auch im Bewusstsein der Bewohner fort, die sich noch immer in zwei Vereinswelten, der Siedlergemeinschaft Grolland I und der Siedlervereinigung Grolland-Süd, zusammenschließen.

Grolland

Die großen Gärten sind den Grollandern von Nutzen, manchmal werden sie auch als Last empfunden.

Grollander Sichtweisen haben sich auch durch die Größe und Lage der Grundstücke entwickelt, von der Vorgartenseite aus, ist die Betrachtung ganz öffentlich, auf der Rückseite zeigt die Siedlerstelle eine ungeahnte  Vielfalt der Gartengestaltung und lässt Rückschlüsse auf ihre Bewohner zu. Wer die Entstehung und Entwicklung Grollands von den Anfängen seiner Besiedlung, die Eingemeindung nach Bremen, über erste Gartenstadtpläne vor dem ersten Weltkrieg, den Kleinsiedlungsbau der 1930er Jahre und die Komplettierung als Ortsteil nachvollziehen möchte, stößt auf reichlich Quellen aus der Geschichtsschreibung Stuhrs, das früher ebenso wie Grolland zu Oldenburg gehört hat.

Wertvolle Aufzeichungen haben die Eigentümer des Gutes Grolland angefertigt, in seiner Geschichte der Familie Grisebach, hat Erich Grisebach 1936 einen ausfџhrlichen Teil der Entwicklung Grollands gewidmet. Studierende der Universität Bremen haben Zeitzeugen befragt und 1989 ihren Projektabschlussbericht über das „Gesellschaftsprojekt des Nationalsozialismus“ veröffentlicht. Das Huchting-Archiv um Rainer Heuer pflegt eine überwiegend fotografische Sammlung, dort wurden auch in Interviews die Erinnerungen von Menschen der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsjahre festgehalten. Im Arbeitskreis Grollander Geschichte(n) konnten Darstellungen der Chronisten um die Erlebnisse „alter Grollander“ ergänzt werden, Lücken in der Dokumentation wurden entdeckt und vielleicht letztmalig die Chance genutzt, aus dem Gedächtnis verarbeitete Erinnerungen aufzuarbeiten. Letzlich gehört die Recherche im Staatsarchiv zur Forschung dazu, dort befinden sich in Senatsakten und gut sortierten Nachlässen von Privatpersonen die manchmal entscheidenden Details.

Grolland

Ernteumzug der Siedlergemeinschaft Grolland I, unser Foto von 1980 zeigt den Spielmannszug des TuS Huching, der den Umzug durch die Huntorpstraße führt.

Der Buchtitel Grollander Geschichte(n) soll Hinweis auf die Gliederung der Arbeit sein. Es sind praktisch zwei Veröffentlichungen, die zwischen zwei Buchdeckel gesteckt wurden: Man kann zum einen die einzelnen, mit römischen Ordnungszahlen sortierten Kapitel des Geschichtsbuchteils verfolgen oder die eingestreuten Geschichten in fortlaufender Nummerierung in arabischen Zahlen, die anekdotenhaft Personen beleuchten, Originale vorstellen oder Begebenheiten in den Fokus nehmen, lesen. Die Palette reicht vom Künstler Armand Vilter über Karl Middendorf, der 2017 100 Jahre alt geworden wäre, bis zu Tante Minchen vom Storchennest.

Mittlerweile hat der Verlag eine zweite Auflage drucken lassen. Es wurden einige Flüchtigkeitsfehler korrigiert und bei Landkarten mit einem Kompasssymbol die Richtung Norden ausgewiesen, außerdem war der traurigen Pflicht nachzukommen, den Tod der Zeitzeugin Trude Laue zu berücksichtigen.

Bremen, im März 2018            Gerwin Möller

 

Weiter geht es mit einem Blick ins Inhaltsverzeichnis